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Online-Informationsveranstaltung zum Bereitstellungslager Würgassen

200 Bürger bei der Videokonferenz

Von Peter Vössing
Beverungen – In Zeiten von Corona sind öffentliche Veranstaltungen nicht möglich. Deshalb hatten die „Bürgerinitiative gegen atomaren Dreck im 3-Ländereck“, die „Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad“ und die „Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt“ zu einer Online-Infoveranstaltung eingeladen.

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Dirk Wilhelm (BI gegen atomaren Dreck im Dreiländereck i.G.) hatte interssante Fakten zum geplanten Bereitstellungslager gesammelt.

© Foto: Dirk Wilhelm

Vor ca. 70 interessierten Teilnehmern auf der Videokonferenz-Plattform Zoom und 121 gleichzeitigen Zuschauern während des Live-Videos auf Youtube haben Vertreter der drei Initiativen mit kritischer Expertise über das Projekt, seine Funktion und seine Auswirkungen berichtet und Fragen beantwortet. Auch per Telefon beteiligten sich Bürger daran. Im Nachhinein kann man sich die Aufzeichnung der Infoveranstaltung auf dem Youtube-Kanal der „BI gegen atomaren Dreck im 3-Ländereck“ anschauen.
Dirk Wilhelm (BI gegen atomaren Dreck im 3-Ländereck), Ursula Schönberger (AG Schacht Konrad) und Jochen Stay (.ausgestrahlt) standen nach einem kurzen Vortrag den Zuschauern und Zuhörern auf ihre Fragen Rede und Antwort.
Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung hat im März angekündigt, auf dem Gelände des ehemaligen AKW Würgassen eine gigantische Halle (325 Meter lang, 125 Meter breit und 16 Meter hoch) für radioaktive Abfälle zu errichten. Über Jahrzehnte sollen monatlich ca. 400 Lkw und ca. 200 Güterzüge Atommüll an- und abtransportieren. Das Zwischenlager in Würgassen soll als Bereitstellungshalle für das geplante geologische Tiefenlager im alten Erzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter dienen.
Bei der Videokonferenz wurde sehr schnell deutlich, dass neben der allgemeinen Verärgerung durchaus Ängste das Stimmungsbild in der Region beherrschen. Dabei geht es nicht nur um das Lager selbst, das bis ca. 2057 das Bild der Region bestimmen könnte, sondern auch um die zahlreichen Transporte mit radioaktivem Müll über die Straßen und Bahnstrecken der Region.

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Dirk Wilhelm ging in seiner Video-Ansprache auf die maroden Verkehrswege ein.

© Screenshot: Peter Vössing


Interessanter Aspekt von Ursula Schöneberger zum geplanten Lager war die Aussage, dass das Lager eigentlich nur dafür gebaut würde, um ein drohendes neues Genehmigungsverfahren für Schacht Konrad bei Errichtung eines Bereitstellungslagers auf dem dortigen Areal zu umschiffen. Die Entsorgungskommission des Bundes hat 2018 gesagt, dass der optimale Standort für das Bereitstellungslager am Endlager selbst sei, es jedoch diesbezüglich Hindernisse gebe. Nur deshalb habe man im erweiterten Umkreis einen hierfür geeigneten Standort gesucht. Denn beim heutigen Stand der Technik würde Konrad als Endlager keine Genehmigung bekommen und man hätte 4,2 Mrd. Euro und 40 Jahre Arbeit in den Sand gesetzt. Im Gesetzentwurf der Bundesregierung „Zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung“ von 2016 heißt es bezüglich eines Eingangslagers: „Diese Option (die Errichtung eines zentralen Zwischenlagers für radioaktive Abfälle) wäre nur dann zu verwirklichen, wenn sie sich nach Abwägung von Kosten und Nutzen als wirtschaftlich erweisen würde“. Mit anderen Worten, nur finanzielle Erwägungen sollen zum Bau des geplanten Bereitstellungslagers führen. Das Gesetz sieht die von der BGZ erläuterten, logistischen Erwägungen nicht vor.

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Das ehemalige Krenkraftwerk Würgassen.

© Foto: Vössing


Für die Zuschauer war es eine interessante Veranstaltung, die auf die drängendsten Fragen einging. Man zeigte sich grundsätzlich gut aufgestellt, was den weiteren Kampf gegen das drohende Bereitstellungslager angeht, sieht man sich doch von weiten Teilen der Bevölkerung sowie von den regionalen politischen Vertretern aller Couleur unterstützt. Man sei bereit, für die „grüne Wiese“, die seinerzeit versprochen wurde, zu kämpfen.
Die BGZ (Gesellschaft für Zwischenlagerung) hat ihrerseits eine ähnlich Info-Veranstaltung für Anfang Juni angekündigt. Die Bürgerinitiativen wollen in regelmäßigen Abständen die Bürger mit Videokonferenzen auf dem neusten Stand halten.

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