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Evangelische Akademie Hofgeismar

70 Jahre Diskussionskultur

Von Kerstin Aderholz

 

Hofgeismar – Die Evangelische Akademie Hofgeismar besteht seit 70 Jahren – ein Jubiläum, das Anlass zu einem Fest war, das mit rund 200 Gästen gefeiert wurde. Im Gründungsjahr 1947 hatte die Akademie ihren Sitz noch in Guntershausen und ist erst 1952 auf das Gesundbrunnengelände gezogen.

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Direktor Karl Waldeck überreicht "Zeitzeugin" Ingrid Walter-Kerner als eine Rose als Dankeschön für das interessante Gespräch zu den Anfängen der Akademie.

© Foto: Aderholz

Damals wie heute versteht es die Evangelische Akademie als ihre Aufgabe, aktuelle Probleme aufzugreifen und im Geist des Evangeliums nach Perspektiven zu suchen. Daran hat sich auch nach Auffassung von Direktor Karl Waldeck nichts geändert, wie er in der Begrüßung der Gäste deutlich machte: „Die Akademie ist für aktuelle Debatten ein Forum und steht für eine konstruktive Diskussionskultur.“ In diese Debatten fließe auch die Perspektive des christlichen Glaubens ein, so Waldeck. Auch wenn die Veranstaltungen geprägt seien vom wissenschaftlich orientierten Gespräch, so wende sich das Programm an alle Bevölkerungsschichten.

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"Zauberhafte" Unterhaltung mit Studienleiter Uwe Jakubczyk im Schlösschen.

© Foto: Aderholz

Auch in Zukunft werde sich die Evangelische Akademie Hofgeismar den aktuellen Themen der Zeit widmen, so Karl Waldeck weiter. Dazu gehörten Themen wie Nachhaltigkeit, Globalisierung, Ökologie und soziale Gerechtigkeit. Ebenso widme sich die Evangelische Akademie in ihren Veranstaltungen dem Dialog zwischen den Religionen und der Frage nach der Bedeutung des Glaubens in der Gesellschaft. Und da Bildung nach evangelischem Verständnis immer auch die Kultur einbeziehe, gehören Tagungen zu Musik, Kunst, Literatur und Theater zu den festen Bestandteilen des Akademieprogramms.
Im Anschluss bekamen die Gäste Informationen zu den Anfängen der Evangelischen Akademie aus erster Hand, und zwar von Zeitzeugin Ingrid Walter-Kerner. Im Gespräch mit Karl Waldeck und Christine Lang-Blieffert berichtete sie, wie sie als 16-jähriges Lehrmädchen - damals noch Fräulein Viering - die Arbeitswelt in der Evangelischen Akademie kennengelernte, wie sich das Miteinander am Arbeitsplatz gestaltete und wie sie nach Jahren ein Personalwechsel an der Spitze dazu bewog, gemeinsam mit einer Kollegin zu kündigen.
Ebenfalls eine Zeitreise konnte man im Anschluss gemeinsam mit Sabine Wackernagel unternehmen – hier ging es allerdings in einer Lesung um die Geschichte des Schlösschens Schönburg, wo dieser Programmpunkt auch stattfand.

Unterhaltsam und kurzweilig wurde es ebenfalls Schlösschens mit Studienleiter Uwe Jakubczyk, der unter dem Motto „Spiel und Zauberei“ für Abwechslung sorgte.
Außerdem wurde von Direktor Karl Waldeck eine Führung durch den Brunnenpark angeboten, der sich ein Teil der Besucher gern anschloss.
Auch musikalisch hatten die Feierlichkeiten der Evangelischen Akademie etwas zu bieten. Die Jazz-Combo und das Violin-Nachwuchsensemble der Musikschule Hofgeismar sorgten diesbezüglich für den passenden Rahmen.
Beim offiziellen Festakt riet Bischof Martin Hein dazu: „Bleiben sie auf der Höhe der Zeit. Denn wer zum Dialog einlädt, muss wissen, wovon er redet“. Vor allem aber sollte die Evangelische Akademie in ihren Diskursen von Gott sprechen: „Von Gott zu sprechen und dabei die Welt ernst zu nehmen auch in ihrer expliziten Abkehr von Gott – das ist die unaufgebbare theologische Aufgabe Evangelischer Akademien“, so Hein in seiner Predigt zum Jubiläum.
Den Festvortrag hielt der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Jochen Hörisch von der Universität Mannheim. Er ging auf die Paradoxien im Christentum und im Besonderen bei Luther ein und lobte die Akademie dafür, dass sie solche Widersprüche in ihren Tagungen thematisiere. „Die Akademie ist die organisierte Resonanz der Gesellschaft und lotet den Raum aus zwischen Athen und Jerusalem, zwischen weltlicher und kirchlicher Perspektive“, sagte er.
Hörisch warf schließlich einen amüsierten Blick auf die Adresse, die „diese Akademie haben muss“ und bezog sich damit auf die genaue Bezeichnung „Evangelische Akademie Hofgeismar-Gesundbrunnen“.

 

Hintergrund

Die Evangelische Akademie Hofgeismar mit heute 15 Mitarbeitern wurde - wie die meisten der 17 Evangelischen Akademien in Deutschland - unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg unter der Leitung von Pfarrer Dr. Hans-Rudolf Müller-Schwefe (1910-1986) als Einrichtung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gegründet und sollte im Geist des Evangeliums einen Neuanfang bieten. Dazu sollte Menschen unterschiedlicher Herkunft ein sogenannter dritter Ort angeboten werden, ein Ort für Dialog und Kontroversen über die Fragen der Zeit.

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