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Mangel an Hausärzten

Auf der Suche nach Lösungen

Von Michael Rubisch

Hofgeismar – Die hausärztliche Versorgung ist ein bundesweites Problem. Besonders davon betroffen sind die bevölkerungsschwächeren Regionen im Bundesgebiet. Auch in Hofgeismar verschwinden immer mehr Hausärzte. Die Situation ist kritisch. Das hat auch die Stadt Hofgeismar erkannt und versucht nun eine Lösung des Problems zu finden.

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Harald Stender referierte zum Thema hausärztliche Versorgung. 

© Foto: Rubisch

Auf einem Informationsabend sprach Harald Stender, Koordinator ambulante Versorgung für den Kreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein), im Hofgeismarer Rathaus. In seiner beruflichen Funktion arbeitet Stender eng mit der Ärztegenossenschaft Nord e.G., einem Zusammenschluss von 1.800 Ärzten, zusammen. Unter seiner federführenden Mitwirkung entstand das Ärztezentrum in Büsum, mittlerweile ein Vorzeigeprojekt in puncto ärztlicher Versorgung in strukturschwachen Regionen. Stender plant zurzeit mehrere Projekte ähnlicher Art.
Zu Beginn seines Vortrags informierte Stender darüber, dass die kassenärztliche Vereinigung (KV) den sogenannten Sicherstellungsauftrag besitze und damit die Verantwortung trage. “Die hessische KV stellt das Problem eines Hausarztmangel allerdings in Abrede“, so Stender. Es werde leider vergessen, dass viele der praktizierenden Ärzte bereits deutlich über 70 Jahre alt sind, das Problem eines Ärztemangels werde so verschleiert. Ein Blick in die Wartezimmer zeige jedoch, dass die vorhandenen Ärzte keine neuen Patienten aufnehmen können.
Schnell wurde klar, dass es für die Lösung der Konflikte keinerlei Blaupausen gibt. „Jede Einzelsituation muss genau analysiert werden“, stellte Stender klar. Er warnte davor, die Situation zum Politikum werden zu lassen. „Die hausärztliche Versorgung ist nicht für eine politische Auseinandersetzung oder Profilierung geeignet“, so Stender. Vielmehr sei es sinnvoll, zuerst einmal alle niedergelassenen Ärzte und auch weitere Gesundheitsdienstleister wie Apotheken oder Physiotherapeuten an einen Tisch zu holen und gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Wie diese aussehen könnte stellte Stender ebenfalls vor. Einzelpraxen haben nach Meinung des Referenten keinerlei Zukunftsperspektiven. Der Trend ginge vielmehr zu Lösungen mit mehreren Ärzten in zentraler Lage. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Teure Anschaffungen im medizinischen Bereich müssen nicht alleine gestemmt werden. Es bieten sich flexiblere Möglichkeiten, Beruf und Privatleben zu koordinieren - ein wichtiger Punkt bei jungen Ärzten der Generation Y. Die neue Generation Ärzte seien es durch ihre Tätigkeiten in Kliniken gewohnt, im Team zu arbeiten. Auch die negative Außenwirkung der KV mit Regressforderungen an die hessischen Ärzte schrecke ab.
Im Anschluss an den Vortrag nutzen die Besucher, unter ihnen auch einige Ärzte aus Hofgeismar, die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Schnell wurde klar, dass die Lösung des Problems nicht einfach und zudem eine langwierige Unternehmung wird. „Aber irgendwo muss man ja mal anfangen und mit diesem Vortrag haben wir erste Eindrücke in die Thematik erhalten“, resümierte auch Bürgermeister Markus Mannsbarth.

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