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Corona und die Folgen

Ein Virus legt die Region lahm

Von Peter Vössing
Beverungen/Lauenförde/Bad Karlshafen – Spätestens seit letztem Samstag ist es klar. Corona macht nicht vor der Region halt. Die ersten Erkrankten des neuartigen Coronavirus wurden auch im Stadtgebiet Beverungen registriert.

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Alle Veranstaltungen werden zurzeit abgesagt.

© Foto: Vössing

Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser Virus im Dreiländereck ankam. Zuvor hatte man schon damit gerechnet und sich auf das Unvermeidbare eingestellt. Seitens der Landesregierungen wurden einschneidende Maßnahmen getroffen, um sich gegen diesen Virus zu wappnen bzw. seine Ausbreitung herauszuzögern.
Bereits am Freitagnachmittag wurde per Erlass der Landesregierung festgelegt, dass sämtliche Schulen und KiTas frühzeitig in die Osterferien gehen werden. Seitens der Kanzlerin wurde geraten das soziale Leben einzuschränken und möglichst Kontakte zu vermeiden. Eine Vorsichtsmaßnahme, um die am meisten Gefährdeten, die Vorerkrankten und die älteren Mitbürger zu schützen. Auch die Pflege- und Seniorenheime haben den Besuchsverkehr untersagt.
Die Städte reagierten schnell und untersagten alle Veranstaltungen. Viele Vereine und auch die Kirchen schlossen sich an. Museen, Büchereien, kommunale Schwimmbäder wurden geschlossen und den Vereinen empfohlen, ihre Versammlungen und Veranstaltungen bis auf Weiteres auszusetzen. Teilweise im Minutentakt gingen die Pressemitteilungen über Veranstaltungsabsagen im Redaktionsgebiet ein.

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Die Veranstalter hoffen noch, dass das Orange-Blossom-Special-Festival zu Pfingsten starten kann.

© Foto: Vössing


Die Kulturgemeinschaft reagierte noch am Freitag und sagte kurzfristig den Kabarettabend mit Christoph Sieber ab. In einer Bekanntmachung wurde erklärt, dass der Spielbetrieb vorerst eingestellt würde. Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, soll über die Medien kommuniziert werden. Geprüft wird derzeit, ob und wann es Ersatztermine geben kann. Vor diesem Hintergrund bittet die Kulturgemeinschaft Karteninhaber, ihre Tickets vorerst zu behalten sowie um Geduld. Aktuelle Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen werden unter www.kulturgemeinschaft-beverungen.de und über die Medien mitgeteilt. Für dringende Fragen steht das Kulturbüro gerne telefonisch (0 52 73 – 392 223) zur Verfügung.
Die Bürgerversammlung zum geplanten Bereitstellungslager in Würgassen am 18.03.2020 wurde ebenfalls abgesagt. Die Stadt Beverungen hat sich aufgrund der sich dramatisch entwickelnden Ereignisse in der Corona-Krise dazu entschlossen und den ausgesprochenen Empfehlungen der Bundesregierung und des Robert-Koch-Instituts entsprochen.
Der Absage ging eine sehr schwierige Entscheidungsfindung voraus, da es ein sehr hohes Interesse an der Durchführung der Veranstaltung gab. Die BGZ wurde umgehend von der Entscheidung informiert. Es wurde vereinbart, dass die Bürgerversammlung sobald wie möglich nachgeholt wird, wenn es die Gefährdungslage in Deutschland wieder zulässt. Die BGZ wird nach Aussage der Stadt, nun über geeignete Online-Formate eine Alternative anbieten, um dem großen Informationsbedürfnis der Bevölkerung nachzukommen.

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© Foto: pixabay

Bürgermeister Hubertus Grimm gab in seinen Bürgerinformationen Konsequenzen für die Stadtverwaltung bekannt. "Auch für die Stadtverwaltung und den mit ihnen verbundenen Institutionen werde ich mich gezwungen sehen, Vorsichtsmaßnahmen einzuleiten, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Deshalb möchte ich Sie bitten, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglichst nur noch per Telefon oder Email in Kontakt zu treten und die öffentlichen Gebäude nicht mehr aufzusuchen", machte der erste Bürger der Stadt Beverungen deutlich


Seitens der Kirchen wurde über die Absage von Gottesdiensten und Veranstaltungen informiert.
In einem Brief wandte sich Pfarrer Frank Schäffer von der katholischen Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit an die Gemeindemitglieder, um mitzuteilen, dass zunächst bis zum 22. März 2020 alle Gottesdienste jeglicher Art in allen Kirchen der Pfarrei entfallen müssen. Er verwies die Gläubigen auf die Gottesdienstübertragungen im Radio und im Fernsehen. Die Messtexte jeden Tages könne man auch im Internet unter Schott Beuron finden. Schäffer erklärte: „Die Messintentionen können zu gegebener Zeit nachgeholt werden. Klären Sie das bitte nach der Krise mit dem Pfarrbüro. Bei Beerdigungen können aus genannten Gründen zurzeit keine Seelenämter stattfinden. Die Kirchen bleiben im üblichen Rahmen zum Gebet geöffnet. Alle Veranstaltungen in unseren Pfarrheimen sind für den genannten Zeitraum ebenfalls untersagt. Das Pfarrbüro ist zu den üblichen Zeiten geöffnet, allerdings ohne Publikumsverkehr. Bitte nutzen Sie Telefon und E-Mail für den Kontakt“.
Auch die evangelische Weser-Nethe Kirchengemeinde reagierte schnell. Seitens des Evang. Kirchenkreises Paderborn. „Alle Veranstaltungen des Kirchenkreises sind für die nächsten Wochen abgesagt worden. Die gemeinsamen Dienste Erwachsenenbildung, Jugendreferat, Kita-Fachberatung, Öffentlichkeitsreferat und Schulreferat verschieben ihre Termine“, hieß es in dem Schreiben des Kirchenkreises.
Die Landeskirche Hannover empfahl, dass alle Gottesdienste bis zum 19. April 2020 abgesagt werden und dieser Empfehlung folgte die evangelische Trinitatis Gesamtkirchengemeinde Solling-Weser. Es sollen nun sonntags in den Gemeinden Lauenförde, Meinbrexen, Derental, Fürstenberg und Boffzen um 10 Uhr für 5-10 min. die Kirchenglocken geläutet werden, um die Gemeindemitglieder zu Hause zu einem Gebet und einer stillen Andacht aufzurufen.
Der Kursbetrieb des VHS Zweckverbandes wird bis einschließlich Sonntag, den 19.04.2020 auch in Beverungen eingestellt. Ausgefallene Kursstunden und geplante Kurse sollen nach Möglichkeit nachgeholt werden. Sollte dies nicht möglich sein, erfolge eine Teilrückerstattung der Kursgebühr für bereits begonnene Kurse.
Sämtliche Sportveranstaltungen und Trainingseinheiten wurden seitens der Verbände und Vereine gecancelt.
Das öffentliche Leben ist in der Region somit fast vollständig zum Erliegen gekommen. Über anstehende Entscheidungen, wann der Veranstaltungsbetrieb wieder aufgenommen wird, wird die Beverunger Rundschau zeitnah informieren.
Diese ganzen Maßnahmen hören sich für einige Mitbürger sehr extrem an. Virologen sind sich aber einig und betonen, dass das Handeln im aktuellen Zeitrahmen entscheidend sein kann.
Sie, unter ihnen Christian Drosten von der Charité Berlin, sehen zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Chance, die Verlaufskurve des Virus in Deutschland zu beeinflussen. Es handele sich allerdings um ein kleines Zeitfenster, das nun auch genutzt werden müsse, erklärte Drosten. "Deutschland hat seinen Ausbruch früh erkannt und muss nun aus diesem Vorsprung jetzt aber auch etwas machen", machte der anerkannte Virologe, der auch die Bundesregierung berät, klar.

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