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Stadtmuseum Hofgeismar

Großes Geschenk für Theodor-Rocholl-Abteilung

Hofgeismar (hak) - Ein ungewöhnlich umfangreiches Geschenk für die Schwerpunktsammlung „Der Maler Theodor Rocholl“ des Stadtmuseums Hofgeismar überbrachten Anita Recknagel (Berlin), eine Nichte Rocholls zweiter Frau Elisabeth Malzfeldt, und ihr Sohn Sebastian.

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Die ausgebreiteten Objekte und ihre Spender Anita Recknagel mit ihrem Sohn Sebastian Recknagel.

© Foto: Stadtmuseum Hofgeismar

Das Stadtmuseum Hofgeismar sammelt die Gemälde des Schlachten- und Historienmalers Theodor Rocholl (1854-1933) schwerpunktmäßig seit 1977. Seine Rettung des „Urwalds“ an der Sababurg von 1907 wird heute berechtigt als wichtiger Schritt in der Umweltpolitik in Deutschland gesehen. So verfügt das Museum über die bedeutendste Sammlung an Kunstwerken dieses Malers. Dessen Gemälde aus dem Diemelraum und dem Reinhardswald bringen auch auf großen Auktionen gute Preise, was auf diese Weise zusätzlich den Ruf des Museums stärkt.
Bis heute verfügte das Museum nur über wenige Belege, die den Menschen hinter dem Maler direkt greifbar machen. Das hat sich nun mit der großzügigen Zuwendung der Recknagels geändert. Aus dem Besitz der Familie kommen etliche Scherenschnitte und Zeichnungen von fremder Hand der Vorfahren des Malers, mehrere seiner Pässe (Personalausweis, Reisedokument für den Balkan etc.), dazu Fotos (z.B. seiner Mutter, vor 1900) und seiner zweiten Frau.
Obwohl Rocholls Nähe zum Kaiserhaus in Berlin bekannt war (woraus er Nutzen zog bei der Unterschutzstellung des Urwalds) und er auch Zugang zum höheren Offizierschor hatte, ist doch eine handschriftliche Dankespostkarte Paul von Hindenburgs in diesem Konvolut hervorzuheben.
Während die noch aus Theodor Rocholls Chinaaufenthalt 1900/01 stammenden Objekte (ein Buddha, ein kleiner verzierter Tisch und viele Tücher und Gewänder) noch von Fachleuten gesichtet werden müssen, fällt eine eindrückliche Zeichnung eines wie im Schlaf liegenden Soldaten ins Auge, die als Höhepunkt des ganzen Geschenks gesehen werden muss.
Zu deren Entstehung schreibt der Maler in seiner Autobiografie von 1921 anrührende Worte. Die Zeichnung nämlich zeigt seinen Lieblingssohn Karl, gefallen am 9. Mai 1918 bei Lille (Frankreich) im Ersten Weltkrieg: „Da liegt der arme, arme Kerl auf seinem Totenbette. Hier will die Feder nicht mehr gehorchen… In einem stillen Raum des Lazaretts schloss ich mich ein und malte meinen lieben Jungen und hielt Zwiesprache mit ihm acht Stunden lang.“ Dieser Schicksalsschlag veranlasst Theodor Rocholl, das Kriegsgebiet sofort zu verlassen: „Bin dann im Mai 1918 nach meinem stillen Sababurg an der Weser gefahren“.
Musemsleiter Helmut Burmeister dankte den Spendern, die nicht zum ersten Mal in Erscheinung getreten waren und die Ausnahmestellung der Schwerpunktsammlung stärken wollten, auch im Namen der Stadt in einem ausführlichen Brief.

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