Drucken Versenden

Hilferuf der Reisebranche

Von Michael Rubisch

Kassel – Wohl kaum eine Branche leidet unter der aktuellen Pandemielage so sehr wie die Reisebranche. Unter dem Motto „Rettet die Reisebranche“ versammelten sich am Mittwoch mehrere hundert Demonstranten auf dem Kasseler Opernplatz, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Unter ihnen auch Inhaber von Geschäften aus dem Kreisteil.

Viele Menschen sind wirtschaftlich von der aktuellen Situation betroffen. Bereits über 300.000 Personen haben ihren Job komplett verloren und über 10 Millionen Bundesbürger befinden sich in Kurzarbeit und müssen zum Teil herbe Einkommenseinbußen in Kauf nehmen. Mit am schlimmsten betroffen ist die Reisebranche. „Bereits Ende Januar begannen die Stornierungen von Reisen nach Asien“, berichtet Thorsten Schwalm, Inhaber des Reisebüros Schwalm in Hofgeismar. Im Februar kamen weitere Reisewarnungen der Bundesregierung hinzu, einhergehend mit weiteren Stornierungen und damit Umsatzeinbußen für die inhabergeführten kleinen Geschäfte. Im März schließlich der komplette Einbruch. Während viele Branchen ihre Geschäfte schlossen, befassten sich die Mitarbeiter der Reisebüros mit den tausenden Rückabwicklungen der stornierten Reisen. Diese Serviceleistungen im Namen der Kunden bezahlt ihnen aber niemand. Die Büros leben nur von Provisionen für verkaufte Reisen, findet eine Reise nicht statt, weil Kunden stornieren erhält das Reisebüro vom Veranstalter der Reise kein Geld. Kosten für die Weiterführung des Betriebs wie Löhne oder Ladenmiete fallen aber weiter an.
Die Soforthilfe-Programme der Bundesregierung unterstützen zwar kleinere Unternehmen. Das Geld darf aber lediglich zu betrieblichen Zwecken also beispielsweise zum bezahlen der Ladenmiete oder des notwendigen Bürobedarfs genutzt werden. Kosten wie Krankenkasse, Miete der privaten Wohnung, Lebensmittel, private Altersvorsorge oder Versicherungen dürfen von dem erhaltenen Geld nicht bezahlt werden.


Obwohl die Branche stark getroffen ist, zweifelt kaum einer der Demonstranten auf dem Opernplatz die getroffenen Maßnahmen der Bundesregierung an. Es ist vielmehr ein Hilferuf, denn auch die Aussichten für die Zukunft sind düster. Noch weiß niemand ab wann das Reisen wieder möglich sein wird. So langsam öffnen sich aktuell wieder die ersten Grenzen aber bis Mitte Juni hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung erklärt. Aber selbst wenn diese fällt ist es schwer vorstellbar, dass das Geschäft wieder anläuft. Zu frisch sind auch die Bilder von Kreuzfahrtschiffen, auf denen sich das Virus rasant ausbreitete und die Reisenden nicht von Board gehen konnten.
„Es muss ein Fonds für die Reisewirtschaft her“, dies war der gemeinsame Tenor der Demonstranten am vergangenen Mittwoch, denn während große Unternehmen wie Branchenprimus TUI mit Krediten in Milliardenhöhe unterstützt werden, werden die kleinen Unternehmer vergessen. Neben dem Bund steht auch das Land Hessen hier nach Meinung vieler Demonstranten in der Pflicht.

Bilder & Videos

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder