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Schwarzstorch nistet erstmalig auf Kunsthorst

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Durch die ausgesprochene Brutplatztreue treffen sich die Storche im Frühjahr im angestammten Brutrevier wieder.

© Foto: M. Vöbel

Reinhardshagen (hak) - Das Experiment der Errichtung eines Kunsthorstes für einen Schwarzstorch ist geglückt. Der dem Forstamt Reinhardshagen bekannte und seit einigen Jahren wiederkehrend angenommene Horst eines Schwarzstorchenpaares ist dieses Jahr unbesetzt. Stattdessen wurde der in diesem Frühjahr unweit des bekannten Horstes errichtete Kunsthorst angenommen. Hartwig Holzberg, Revierleiter im Forstamt, konnte vor wenigen Tagen zwei Jungvögel im Kunsthorst ausmachen, die kräftig genug sind, um den Horst in Kürze zu verlassen.

Beide Geschlechter des Schwarzstorches haben eine ausgesprochene Brutplatztreue. Der angestammte Horst wird jedes Jahr mit neuem Nistmaterial ausgebaut. Über Jahre entsteht so ein großes und mehrere Zehnter schweres Nest, das bei zu schwacher Nestunterlage zu Nestabstürzen führt.
„Eine schwache Nestunterlage war der Grund, dem Schwarzstorch eine künstliche Alternative in der Nähe des alten Horstes anzubieten“, so Holzberg.

Im Frühjahr organisierte der Revierleiter in Zusammenarbeit mit der hessischen Vogelschutzwarte die Auswahl eines Horstbaumes und die Errichtung der künstlichen Nisthilfe. Roland Brückner, Mitarbeiter beim Regierungspräsidium Kassel, der sich ehrenamtlich im Naturschutz engagiert, brachte die notwendige Fachkenntnis mit und auch die Kletterfertigkeit, den künstlichen Horst in ca. 20 m Höhe einer starken Buche anzubringen.

Das der Kunsthorst gleich im ersten Jahr erfolgreich angenommen wurde ist eine toller Erfolg. Es kann spekuliert werden, ob das Schwarzstorchpaar die Statik des alten Brutplatzes als nicht mehr so ganz sicher eingeschätzt hat. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich das Storchenpaar in der sensiblen Rückkehrphase aus seinem Winterquartier in seinem Brutrevier gestört fühlte und daher dankbar den Kunsthorst angenommen hat.

„Die Bedingungen hier im Reinhardswald scheinen für den Schwarzstorch zu passen“, so Klemens Kahle, Bereichsleiter Dienstleistung Hoheit vom Forstamt Reinhardshagen. Er ergänzt, dass bereits in den vergangenen Jahren erfolgreich Jungstörche im Reinhardswald groß geworden sind.

Auf dem Speiseplan stehen hauptsächlich in Waldbächen lebende Fische. Notgedrungen nimmt er aber auch mit Fröschen und Molchen vorlieb sowie andere an feuchte Lebensräume gebundene Kleinlebewesen. Aber auch Mäuse und vegetarische Kost werden nicht verschmäht.

Hintergrund
Das Forstamt Reinhardshagen hat eine Artenpatenschaft für den Schwarzstorch (wissenschaftlicher Name: Ciconia nigra – schwarzer Schreitvogel) übernommen. Als sehr störungsempfindliche Art hat das Forstamt daher ein besonderes Augenmerk auf den Vogel gerichtet.
So werden in der Waldbewirtschaftung im Bereich bekannter Horstbäume auf weitgehende Holznutzung verzichtet, Nahrungsbiotope angelegt und Bachtäler in eine naturnahe Bestockung umgewandelt.

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