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Lesung mit Matthias Gibert

Tabuthema Depression

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Matthias Gibert zu Gast in der Stadtbücherei Hofgeismar.

© Foto: Sürder

Von Julia Sürder

Hofgeimar - Der Autor Matthias Gibert war am Freitag in der Stadtbücherei Hofgeismar für eine Lesung zu Gast. Gibert, der sonst Kriminalromane schreibt, hatte dieses Mal ein anderes Thema im Gepäck. Das Buch "Ausrangiertes Leben" handelt nicht von polizeilichen Ermittlungen und Verbrechen, sondern beschreibt das Abgleiten der Hauptfigur in eine schwere Depression. Das Thema sei im eine Herzensangelegenheit, sagte der Autor zum Einstieg. Den Roman hat er in Eigenregie veröffentlicht. "Geld verdiene ich damit nicht", betonte er. Eine kurze Umfrage im Publikum ergab direkt, dass alle Anwesenden mit dem Thema Depressionen selbst Erfahrung haben, sei es als Betroffene oder im näheren Umfeld. Trotz allem sei die Krankheit weiterhin ein Tabuthema und das macht es Betroffenen noch schwerer, damit umzugehen oder Hilfe zu erhalten. "Wir möchten über Depressionen wie Menschen sprechen, nicht wie Ärzte", sagte der Autor, der gemeinsam mit seiner Frau Unternehmensseminare zum Thema abhält und sich somit mit der Materie auskennt.
Im Roman "Ausrangiertes Leben" schildert Gibert die Geschichte von Jens Pilgrim, einem erfolgreichen Wirtschaftsingenieur, der ein nach außen perfektes Leben führt: toller Job, gutes Einkommen, verheiratet, zwei Kinder, schickes Haus. Trotzdem rutscht er mit Anfang 40 in die Depression und nimmt sich nach einem langen Leidensweg das Leben. Gibert erspart den Zuhörern bei der Auswahl der Textpassagen aus dem Buch nichts: Medikamenten- und Alkoholmissbrauch, abwertende Gedanken über Ehefrau und Kinder, Klinikaufenthalte, einen erfolglosen Suizidversuch. Die Zuhörer werden bei diesen Passagen ganz still, einige müssen schlucken. Der Roman hat, wie zu erwarten ist, kein Happy End, ganz im Gegenteil. Er beginnt bereits mit dem Protagonisten, der nach seinem Tod zum Leser spricht. Gibert schaffte es, trotz des ernsten Themas, die Stimmung bei der Lesung mit Charme und Humor aufzulockern und die Zuhörer zum Lachen zu bringen. Ein Balanceakt, der durch die Fachkenntnisse, die Empathie und das Mitgefühl des Autors gelang. Es bleibt zu hoffen, dass der offener Umgang mit der Krankheit Depression dazu beiträgt, das Thema zu enttabuisieren und Betroffenen so besser und vor allem schneller geholfen werden kann.

Das Info-Telefon Depression der Deutschen Depressionshilfe ist unter Tel. 0800/3344533 erreichbar und weist Betroffenen und Angehörigen den Weg zu weiteren Anlaufstellen. In akuten Fällen sollten sich Betroffene an ihren Arzt, eine psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter Tel. 112 wenden. Bei Gedanken an Suizid steht die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter Tel. 0800/111 0 111 oder Tel. 0800/111 0 222 zur Verfügung.

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