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Ausstellung im Stadtmuseum

80 Jahre nach den Kindertransporten

Von Inge Seidenstücker


Hofgeismar – „Wir hoffen, dass wir bald bei dir sind…“ – so der Titel einer neuen Ausstellung im Hofgeismarer Stadtmuseum zu den Kindertransporten aus dem nationalsozialistischen Deutschland vor 80 Jahren.

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Kinder zwischen acht und neun Jahren haben das Buch von Dorrith Sim illustriert. Einige Zitate von ihnen geben Aufschluss über ihre Auseinandersetzung mit der Thematik.

© Foto: Seidenst├╝cker

Der Satz, den die Eltern der aus Kassel stammenden Dorrith Sim, geborene Oppenheim in ihrem letzten Brief an ihr Kind in Schottland schickten, ist bezeichnend für den Trost und die Hoffnung, die sie ihrem Kind vermitteln wollten.
Die Ausstellung befasst sich mit den Schicksalen der vielen Tausend Kinder, die damals von ihren Eltern aus Deutschland weggeschickt wurden um sie vor dem Tod zu retten. Sie orientiert sich dabei an den Geschichten, die Dorrith Sim in ihrem Kinderbuch „In meiner Tasche“ erzählt. Die Themen des Buches sind Ausgrenzung, Flucht und Vertreibung, wobei die Autorin darin ihre traurige Erfahrung mit lustigen Episoden und Fröhlichkeit beschreibt.
Zehn Schulklassen von den Grundschulen in Hofgeismar, Trendelburg, Unterneustädterschule Kassel, Käthe-Kollwitz- sowie Brüder-Grimm-Schule Hofgeismar und die Kindergruppe des Sarah Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben in Kassel beschäftigten sich mit den Themen des Buches. Zusammen mit Julia Drinnenberg und Katharina Hafermaas erarbeiteten die Kinder die Thematik und schufen eindrucksvolle Illustrationen zum Buch von Dorrith Sim.
Ein Teil der Ausstellung widmet sich auch den beiden aus Hofgeismar stammenden Jungen Erwin Goldschmidt und Hans Alfred Mathias.
Ernsthafte Zweifel, eine bunte und fröhliche Ausstellung mit illustrierten Kindergeschichten kombiniert mit einer Dokumentation über die Kindertransporte zu wagen, hatte Julia Drinnenberg, nachdem sie Angehörige der damaligen Flüchtlingskinder kontaktiert hatte. Ebenso gewagt schien die Konfrontation der acht- bis neunjährigen Kinder mit der Geschichte über die Verfolgung jüdischer Kinder und ihre Trennung von ihren Eltern. Nur eines der drei Kinder sah seine Eltern später wieder. Die meisten Eltern der 10.000 nach England geretteten Kinder wurden im Holocaust ermordet.
Doch zeigte sich bei der Arbeit mit den Schülern schnell ein gutes Einfühlungsvermögen.

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Die Schulklassen der beiden Lehrerinnen von der Würfelturmschule Sabrina Fischer und Carolin Dolle nahmen an dem Projekt teil. Auch sie zeigten sich vom Ergebnis sehr beeindruckt.

© Foto: Seidenst├╝cker

„Die Kinder stellten eine gute Balance her und konnten sich sehr gut in die Lage der geflüchteten Kinder hinein versetzen“, schilderten die beiden Lehrerinnen Sabrina Fischer und Carolin Dolle von der Würfelturmschule die Arbeit mit den Schulklassen.
Auch wenn das Thema eher betroffen macht, ist dem Stadtmuseum der Spagat gelungen, eine bunte und heitere Präsentation mit der Dokumentation über die schwere Entscheidung der Eltern, das Erleben der Trennung und der Entfremdung sowie den vielen getöteten Kindern in der Zeit des Nationalsozialismus zu kombinieren.
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 14. Juli 2019, zu den üblichen Öffnungszeiten des Stadtmuseums.

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