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Logistikzentrum für 450 Mio. Euro in Würgassen

Platz für 15.000 Container mit radioaktivem Abfall

Von Peter Vössing
Würgassen - Kalt erwischt wurden die Verwaltungen und Kommunalpolitiker der Region von der Nachricht der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung in Würgassen, für 450 Mio. Euro auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen ein Logistikzentrum für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zu bauen, das ab dem Jahr 2027 für ca. 30 Jahre die Belieferung des Endlagers Konrad nahe Salzgitter sicherstellen soll.

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Vorstellung des Projektes durch die BGZ: (v.l.) Burghard Rosen, Dr. Heinz-Walter Drotleff, Vorstandschef Dr. Ewold Seeba,und Christian Möbius.

© Foto: Vössing

Bürgermeister Hubertus Grimm zeigte sich irritiert, dass er erst einen Tag vor der eilig anberaumten Pressekonferenz telefonisch davon erfuhr. Auch Landrat Friedhelm Spieker, MdB Christian Haase und MdL Matthias Goeken wurden von der Nachricht überrascht.
Dabei betonte Dr. Ewold Seeba als Vorsitzender der Geschäftsführung der BGZ bei der Pressekonferenz, dass großer Wert auf Transparenz gelegt werden solle. Kurze Zeit vor dem Pressegespräch habe es dann auch ein Gespräch mit Grimm, Spieker und Goeken gegeben, um das Projekt zu erörtern.
In dem neuen Logistikzentrum in Würgassen sollen ab dem Jahr 2027 ca. 30 Jahre lang Behälter mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus dezentralen Zwischenlagern in ganz Deutschland gesammelt und für den Transport ins Endlager Konrad zusammengestellt werden. Die radioaktiven Abfälle stammen aus Betrieb, Stilllegung und Rückbau von Atomkraftwerken sowie aus den Bereichen Medizin, Forschung und Gewerbe. „Hochradioaktive Abfälle, wie etwa abgebrannte Brennelemente, werden dort nicht gelagert“ erklärte Burghard Rosen (Leiter Presse und Standortkommunikation) nachdrücklich.

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Auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes Würgassen soll ein Logistikzentrum für für schwach- und mittelradioaktive Abfälle entstehen.

© Foto: Vössing


Die Konzentration der Abfallbehälter in Würgassen sei notwendig, um die zügige Einlagerung des Atommülls im Endlager Konrad sicherzustellen und den dortigen Einlagerungsprozess insgesamt zu beschleunigen. Das Logistikzentrum werde nach dem Ende des Einlagerungsbetriebs im Endlager geschlossen. Für das Logistikzentrum soll ein rund 325 Meter langes, 125 Meter breites und 16 Meter hohes Gebäude aus Stahlbeton errichtet werden (ca. zweimal so groß wie die Paderborner Benteler Arena). Die Errichtung soll mit Inbetriebnahme des Endlagers Konrad im Jahr 2027 abgeschlossen sein. Die Lagerkapazität werde 60.000 Kubikmeter betragen, dies entspricht etwa 15.000 Behältern mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. Es werden etwa 450 Millionen Euro investiert und rund 100 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen.
„Wir haben uns nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung potenzieller Standorte und in Abstimmung mit dem Bundesumweltministerium für Würgassen als Standort für unser Logistikzentrum entschieden“, sagte Dr. Ewold Seeba als Vorsitzender der Geschäftsführung der BGZ. Ausschlaggebend für die Entscheidung seien mehrere Faktoren gewesen: „Am ehemaligen Atomkraftwerksstandort sind bereits zwei Zwischenlager in Betrieb. Die für ein solches Logistikzentrum nötige Infrastruktur ist daher vorhanden. Der Standort verfügt über die notwendigen freien Flächen und über den notwendigen Anschluss an das Schienennetz“, so Seeba weiter.

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Luftbild des ehemaligen Kraftwerkgeländes. Rechts neben dem alten Reaktorgebäude soll die riesige Halle entstehen.

© Foto: BGZ


Die Beteiligten legten Wert darauf, herauszustellen, dass es sich bei dem Projekt nicht um ein Zwischenlager handele. Die Anlage sei ausschließlich als Logistikzentrum für das Endlager Konrad vorgesehen. Das Logistikzentrum werde seinen Betrieb parallel zum Einlagerungsbetrieb im Endlager Konrad beenden und würde dann abgerissen oder könne bei Wunsch anderweitig genutzt werden.
Auf die Frage, warum die radioaktiven Abfälle nicht direkt zum Schacht Konrad transportiert würden, erklärten die Vertreter der BGZ: „Das Betriebsgelände des Endlagers Konrad ist viel zu klein, um große Mengen Abfälle vorrätig zu halten. Dort steht nur eine kleine Pufferhalle zur Verfügung, die lediglich bei Betriebsstörungen kurzfristig Behälter aufnehmen kann. Für eine Sortierung der Abfallbehälter in passgenaue Chargen ist diese Halle daher nicht geeignet.“

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Container mit radioaktivem Abfall.

© Foto: BGZ


Da im Logistikzentrum mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll gearbeitet wird, ist eine Umgangsgenehmigung nach Strahlenschutzgesetz erforderlich. Für diese und weitere Genehmigungen sind die Landesbehörden in Nordrhein-Westfalen zuständig. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nach Strahlenschutzgesetz wird auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unter Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt.
In Absprache mit Bürgermeister Hubertus Grimm wird es am Mittwoch, 18. März 2020 um 18 Uhr in der Stadthalle Beverungen eine Bürgerversammlung zum geplanten Projekt geben.

Mittlerweile haben sich die umliegenden Städte klar gegen das Vorhaben positioniert und MdB Christian Haase hat die Bundesumweltministerin Svenja Schulze zur Bürgerversammlung eingeladen.

Auch in den sozialen Netzwerken hat sich der Widerstand formiert. Die Facebook-Gruppe „Contra Atomlager Würgassen“ hatte binnen kürzester Zeit über 3.800 Mitglieder bekommen. Auch hier wird ausgiebig über das Projekt diskutiert und gepostet.
Mittlerweile gibt es auch eine Online-Petition. Auf www.openpetition.de wurde unter dem Titel „Verhindert den Bau eines Atommülllagers in NRW“ eine Kampagne gestartet.

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