Veröffentlicht am 16.01.2023 09:39

Klassentreffen nach 50 Jahren: Ehemalige Spenden Baum für Schulwald

Klassentreffen nach 50 Jahren. (Foto: Leitschuh)
Klassentreffen nach 50 Jahren. (Foto: Leitschuh)
Klassentreffen nach 50 Jahren. (Foto: Leitschuh)

Sie waren die ersten Schülerinnen und Schüler an der Freiherr-vom-Stein-Schule. Nach 50 Jahren trafen sie sich wieder und spendeten der Schule einen Baum. Der steht jetzt als 50. Baum im Schulwald. Rolf Meyer, Seniorchef der Baumschule Fricke, und einer der 21 ehemaliger Mitschüler der R10 von 1972, kümmerte mit Renate Thim-Meyer, der ehemaligen Klassensprecherin, um die Baumpflanzung. Unterstützt wurden sie dabei von Wolfgang Rüdiger, einem der Initiatoren des Schulwaldes.

„In der 5. Realschulklasse wurden wir mit über 40 Schülerinnen und Schülern in der 'Alten Schule', dem heutigen Feuerwehrstützpunkt, unterrichtet. Diese Zeit war geprägt durch die zwei Kurzschuljahre 1966/67”, erinnerte sich Renate Thim-Meyer. „Einige Schüler haben das Lernziel nicht erreicht, es war damals ein bisschen wie in der Lockdown-Coronazeit.” In der sechsten Klasse kam der Umzug. Thim-Meyer hat noch gut vor Augen, wie alle Schüler in einer gemeinsamen Prozession von der alten Schule in die neue Mittelpunktschule am Kampweg zogen.

Die 544 Schülerinnen und Schüler kamen aus Immenhausen, Mariendorf, Holzhausen und Espenau. Schnell wurde auch die neugebaute Schule zu klein. „In der 7. Klasse wurden wir aus Platzmangel im Fahrschulraum im Verwaltungstrakt unterrichtet. In der 9. und 10. Klasse waren wir im Gebäude neben der Schulturnhalle untergebracht”, sagte Thim-Meyer. Die Lilli Jahn Schule gab es damals noch nicht, genauso wenig wie eine Mensche. „In der 10. Klasse haben wir die große Pause immer am Kiosk von Frau Klode in der Pascheburgstraße verbracht”, so Thim-Meyer. Beim Klassentreffen wurde viel über die alten Zeiten erzählt. In sehr guter Erinnerung haben die Ehemaligen die Klassenfahrten.

Thim-Meyer schwärmt: „Die Skifreizeit nach Berchtesgaden mit Herrn Striegel, sowie die Fahrten nach Oberstdorf, Geesthacht bei Hamburg und Helgoland waren besondere Erlebnisse.” Leider musste die Abschlussfahrt nach London ausfallen, „so ging es zum Schulabschluss immerhin mit Herrn Steinmetz an den Edersee”. Am Ende ihrer Schulzeit in Immenhausen waren sie wieder einmal die Ersten. Renate Thim-Meyer: „Wir waren 1972 die ersten Schüler die in der neu gebauten Freiherr-vom-Stein-Schule ihren Realschulabschluss erreicht haben. Darauf sind wir besonders stolz.” Anschließend sind einige Mitschüler sind auf weiterführende Schulen nach Kassel gegangen. Der überwiegende Teil hat eine Lehre begonnen. Hilfestellung der Schule, wie es heute üblich ist, gab es nicht. „Von Berufsberatung und Berufsorientierung konnten wir nur träumen”, berichtet Renate Thim-Meyer.

Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler und heutigen Rentner blicken auf einen langen Berufsweg zurück. „Aller sind ihren beruflichen Weg gegangen, egal ob sie vorher gute oder nicht so gute Schüler waren. Vom Studienrat über Steuerberater, Dentaltechnikmeister, Berufsschullehrer, Krankenschwester, Altenpfleger, Techniker, Architekt, Kaufmann, Hotelfachfrau bis zum IT-Manager ist alles dabei”, zählt Renate Thim-Meyer stolz auf. Der Kontakt wurde gehalten. Klassentreffen fanden 1981 und 2008 statt. „Das diesjährige goldene Klassentreffen war schon sehr besonders. Es kamen 21 Ehemalige. Schon nach kurzer Zeit war die alte Vertrautheit wieder da, als ob es die letzten 50 Jahre nicht gegeben hätte”, schwärmt die ehemalige Schülerin Renate.

An die verstorbenen Klassenkameraden wurde liebevoll erinnert. Erlebnisse aus der Schulzeit wurden wieder lebendig und fühlten sich ganz nah an. „Plötzlich waren wir wieder jung, jedoch mit ganz viel Berufs - und noch mehr Lebenserfahrung.” Die heutigen Rentner und Pensionäre sind immer noch aktiv, kümmern sich um die Enkelkinder, die teilweise auch in die Immenhäuser Schule gehen, oder engagieren sich ehrenamtlich. Die meisten ehemaligen Schülerinnen und Schüler leben in und um Immenhausen, einige sind wieder nach Immenhausen zurückgekehrt.

„Bei der Schulbesichtigung und einer Führung durch Schulleiter Fredy Zech und Schulleitungsmitglied Marcus Leitschuh haben wir viel Neues aus dem heutigen Schulalltag gehört. Wir waren sehr beeindruckt, wie sich die Schule entwickelt hat”, so Renate Thim-Meyer. „Begriffe wie SchuleNeuDenken, neues Raum- und Lernkonzept, Lernbüros, Lernbegleiter, Kleingruppen mit 15 Kindern, Sitzgruppen oder Rückzugsorte waren in unserer Schulzeit undenkbar.” Mit einem Besuch im Glasmuseum und einem gemütlichen Beisammensein im Ratskeller klang das goldene Klassentreffen aus. Nicht ohne eine kräftige Spende für die Baumpflanzung. Damit wollen die Ehemaligen nicht nur etwas für das Klima tun, sie erweitern den Schulwald, der zum 50. Geburtstag am Stadtrand entstanden ist und auch ein außerschulischer Lernort der heutigen Schülerinnen und Schüler ist.

Im Juli 1966 erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Mittel­punktschule am Kampweg. Ende des Schuljahres 1965/66 wurden die Schüler aus Immen­hausen, Holzhausen und Mariendorf nach dem Absolvieren des ersten 9. Schuljahres aus der Volksschule entlassen. Zu Beginn des Kurzschuljahres 1966 besuchten 42 Schüler die erste Real­schulklasse in Immenhausen. Mit dem Schuljahresbeginn 1967/68 wurde die neue Mittel­punktschule im Kampweg bezogen. Für ca. 3.000.000,00 DM wurde der erste Bauabschnitt fertig gestellt. Zur gleichen Zeit waren auch die Schüler der Klassen 5 bis 9 aus Hohenkirchen in die Mittelpunktschule Immenhausen übernommen worden. Zu diesem Zeitpunkt besuchten 544 Schüler die Schule Immenhausen.

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